Fahrzeug des Monats
August 2026
Amphibienkettenfahrzeug „KALAN“ (Prototyp)
Einsatzfahrzeug des Katastrophenschutzes (KatS) der Tschechischen Republik
Standort: Spezialeinheit „Záchranný útvar“ (Rettungseinheit) der Feuerwehr der Tschechischen Republik (HZS ČR), Hlučín (Hultschin)/Mährisch-Schlesien
Technische Daten
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Hersteller |
New Space Technologies/NST u. weitere Partner |
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Motor |
12-Zylinder Dieselmotor |
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Hubraum |
7,4 l |
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Leistung |
440 kW (rd. 600 PS) |
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Kettenfahrwerk |
Vollgefedertes Kettensystem |
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Wasserstrahlantrieb |
2 x Waterjet |
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Kraftübertragung |
hydraulisch: hydrostatisch bzw. hydrodynamisch |
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Lenkung |
Steer-by-Wire-System |
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Höchstgeschwindigkeit |
- an Land: 50 km/h |
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Steigfähigkeit |
max. 30 Grad (rd. 60 %) |
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Abmessungen |
9,95 m (L), 3,00 m (B), 3,43 m (H) |
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zul. Gesamtgewicht |
33 t (Leergewicht: 20 t) |
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Ausrüstung |
Ladefläche - Platz für 70 bis 80 Personen, flexible Trägerplattform u.a. für c) Katastrophenschutz-Container b) Seilwinde c) hydraulischer Kran - 360-Grad-Rundumsicht |
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Besatzung |
1/2 (Trupp) |
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Indienststellung |
2025 |
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sonstiges |
Es handelt sich um einen Prototyp. Der Kalan soll langfristig die sowjetischen Amphibientransporter vom Typ PTS-10 ersetzen. |
(Fortsetzung von der Startseite)
Der Kalan gilt als eins der spektakulärsten Einsatzfahrzeuge, das der Fachwelt in letzter Zeit präsentiert wurde. New Space Technologies (NST), ein ambitioniertes Ingenieurbüro aus Staré Město im Osten der Tschechischen Republik, hat das Amphibienkettenfahrzeug konstruiert. Berufsfeuerwehrleute der „Záchranný útvar“ aus Hlučín (deutsch Hultschin), einer Spezialeinheit des Katastrophenschutzes, waren von Anfang an am Entwicklungsprozess beteiligt. Für den Bau und die Ausrüstung des Kalan hat NST schließlich auf externe Partner der tschechischen Industrie, wie den Nutzfahrzeughersteller Tatra, zurückgegriffen. Im Frühjahr 2025 wurde der erste Prototyp, dessen zulässiges Gesamtgewicht bei gewaltigen 33 Tonnen liegt, offiziell an die von Brigadegeneral David Kareš geleitete Spezialeinheit in Hlučín übergeben. Dort wird das Fahrzeug nun ausgiebig für den Realeinsatz erprobt. Der Kalan dient der Menschenrettung und Technischen Hilfe sowie Brandbekämpfung und Logistik in schwer zugänglichen Gebieten. Er soll langfristig die veralteten, ehemals sowjetischen Amphibientransporter vom Typ PTS-10 ersetzen.
V12-Motor und hydrostatischer Antrieb
Das Herz des „Riesen“ besteht aus einem mächtigen, luftgekühlten 12-Zylinder-Dieselmotor (V12) von Tatra mit 7,4 Litern Hubraum, der eine Leistung von rund 600 PS (440 kW) liefert. Die Maschine befindet sich geschützt im vorderen Bereich – direkt unter bzw. hinter der ergonomisch gestalteten Kabine. Dadurch bleibt im Heckbereich genügend Platz für eine große Ladefläche. Das Spezialfahrzeug ist mit Gummiketten (rubber tracks) statt reiner Stahlketten ausgerüstet, um trotz seines enormen Gewichts asphaltschonend und vibrationsarm vorankommen zu können. Ein vollgefedertes Fahrwerk mit fortschrittlichen Stoßdämpfern sowie ein vollautomatisches, hydraulisches Kettenspannsystem sorgen zudem für maximale Geländegängigkeit und Fahrkomfort.
Für die Fahrt in Gewässern ist der Kalan mit zwei Wasserstrahltriebwerken (Waterjets) ausgestattet. Dabei wird das Wasser unter dem Rumpf angesaugt und als harter Strahl nach hinten weggestoßen. Anders als herkömmliche Schiffsschrauben, sind die innenliegenden Schaufelräder (Impeller) gut geschützt und können nicht durch Treibgut beschädigt werden. Eigentlicher Clou des Spezialfahrzeugs ist sein vollwertiger hydrostatischer bzw. hydrodynamischer Fahrantrieb, der gemeinsam mit dem Partnerunternehmen Technotrade entwickelt wurde. Sobald der Tatra-V12 läuft, dreht er über das angeflanschte (Pumpen-)Verteilergetriebe die mechanischen Wellen der Hydraulikpumpen mit. Diese wandeln die mechanische Rotationsenergie des Motors in hydraulischen Öldruck um, mit dem dann das Kettenfahrwerk für den Straßenantrieb, die Waterjets für den Wasserantrieb und die Rettungsgeräte des Amphibienfahrzeugs betrieben werden. Ein mechanisches Schaltgetriebe und eine Kupplung sind für den hydrostatischen Antrieb nicht erforderlich.
Der Kalan von New Space Technologies ist ein Amphibienkettenfahrzeug für den Extremeinsatz. (Foto: Redaktion: kfv-herford.de)
Das Fahrzeug verfügt über einen V12-Motor von Tatra mit rund 600 PS. (Foto: NST)
Auf der Ladefläche ist Platz für bis zu 80 Personen. (Foto: Redaktion: kfv-herford.de)
Steer-by-Wire-System
Gelenkt wird der Kalan per Steer-by-Wire-System von Technotrade - also ohne Lenksäule oder Gelenkwelle. Möchte der Fahrer an Land nach links lenken, verlangsamt die Elektronik die linke Kette elektronisch, während die rechte Kette schneller dreht. Das Fahrzeug dreht sich in die gewünschte Richtung. Sobald der Kalan schwimmt, schaltet das System (per Knopfdruck oder Sensor) in den Amphibienmodus um. Das Steer-by-Wire-System lenkt nun nicht mehr über den Kettenwiderstand, sondern regelt elektronisch den Schub und die Ausrichtung der Wasserstrahltriebwerke. Auf befestigten Straßen beschleunigt der Kalan bis auf Tempo 50. In schwerem Gelände schafft er rund 35 Stundenkilometer und in Gewässern geht es mit Tempo zwölf voran, was 6,5 Knoten entspricht. Grabenüberquerungen von bis zu 2,50 Meter, Hindernisse von 65 Zentimetern Höhe und Steigungen von 30 Grad (rund 60 Prozent) sind für das Schwergewicht kein Problem.
Die Kabine verfügt über eine leistungsstarke Klimaanlage. Dadurch bleibt es im Innenraum auch bei stundenlangen Extrem-Einsätzen angenehm kühl. Zudem ist ein 360-Grad-Kamerasystem vorhanden, dass die Umgebung komplett erfasst. Der Fahrer sieht genau, wo sich Hindernisse, Personen oder tiefe Gräben befinden. Wenn das Fahrzeug schwimmt, verhält es sich physikalisch wie ein Boot. Das Kamerasystem hilft dem Fahrer, das 33-Tonnen-Schiff präzise an umschlossene Häuser oder Deiche heranzumanövrieren.
Testfahrt im Hlučín-See (Foto: NST)
Zwei Wasserstrahltriebwerke sorgen für den Vortrieb. (Foto: NST)
An Land geht es auf Gummiketten durch unwegsames Gelände. (Foto: NST)
Vielseitig nutzbar
Die Ladefläche des Amphibienfahrzeugs bietet Platz für die gleichzeitige Evakuierung von 70 bis 80 Personen. Alternativ können dort zwölf Tragen beziehungsweise Behandlungsplätze untergebracht werden. Das Fahrzeug ist zudem als flexible Trägerplattform konzipiert. Spezielle Aufbauten für den reinen Personentransport bieten Haltestangen, Sitzbänke oder Feldbetten sowie eine wetterfeste Überdachung (roofing). Das optionale Löschmodul besteht aus einem 8.000-Liter-Löschwassertank, 500-Liter-Schaummitteltank und einer leistungsstarken Pumpe. Ferngesteuerte Feuerlöschmonitore, die auf dem Dach und an der Front angebracht werden, sind als weitere Zusatzausrüstung gedacht. Die Montage einer Seilwinde (Winch) und eines hydraulischen Ladekrans ist ebenfalls möglich. Zudem können auf der Ladefläche Schienen- und Rollensysteme (floor rollers and anchors) angebracht werden, um Boote und kleinere Einsatzfahrzeuge (wie Quads) schnell auf und abzuladen bzw. zu sichern.
Spezialeinheit
Die „Záchranný útvar“ ist die Spezialeinheit der Feuerwehr der Tschechischen Republik (HZS ČR), die landesweit für den Katastrophenschutz zuständig ist. Sie wurde im Jahr 2009 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Hlučín. Während die regulären Feuerwehren (die sogenannten 14 Feuerwehren der Bezirke) regional organisiert sind, untersteht der Kommandeur der „Elite-Einheit“, Brigadegeneral David Kareš, direkt dem Generaldirektor beim Innenministerium in Prag. Die Einheit agiert damit völlig unabhängig von den Regionen und wird zentral für das gesamte Land oder für Auslandseinsätze angefordert. Die „Záchranný útvar“ verfügt über drei operative Rettungskompanien: Hlučín/Mährisch-Schlesien (gleichzeitig Hauptsitz), Zbiroh/Pilsen (zuständig für den westlichen Teil des Landes) und Jihlava/Vysočina (zentral gelegen).
In jeder der 14 Regionen gibt es staatliche Berufsfeuerwehren (HZS) mit Staatsbeamten, die den Brandschutz sicherstellen. Sie unterstehen dem jeweiligen Regionaldirektor (z.B. dem Chef der Berufsfeuerwehr Südböhmen). Ein Berufsfeuerwehrmann in Prag hat damit denselben Arbeitgeber und dieselbe Uniform wie einer in Ostrava. Daneben existiert in Tschechien ein leistungsstarkes System aus eigenständigen Freiwilligen Feuerwehren (JSDH: „Einheit des Korps der Freiwilligen Feuerwehr“), die, so wie in Deutschland, kommunale Einrichtungen sind.
(Redaktion: kfv-herford.de)
-Vo-
(Foto: NST)
(Foto: Redaktion: kfv-herford.de)
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