Fahrzeug des Monats
April 2026
Mehrzweckfahrzeug-Wasserrettung (MZF-W) mit
Geräteanhänger Strömungs- u. Fließwasserrettung (GAnh-SFW-Rett)
der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG)
Fahrzeug des Wasserrettungszugs (WRZ)/Katastrophenschutz NRW (KatS NRW)
Funkrufname (z.B.): Pelikan Sassenberg 01-MZF-01
Technische Daten
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Fahrgestell (Hersteller) |
Mercedes-Benz |
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Typ |
Sprinter 519 CDI |
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Motor |
4-Zylinder Dieselmotor (Reihenmotor) |
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Hubraum |
2 L (1.950 ccm) |
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Leistung |
190 PS (140 kW) |
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Antriebsart/Radformel |
4x4 (Allradantrieb) |
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Getriebe |
Automatikgetriebe |
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Höchstgeschwindigkeit |
80 km/h (ohne Anhänger: 130 km/h) |
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Abmessungen |
ca.: 5,90 m (L), 2,30 m (B), 2,80 m (H) |
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zul. Gesamtgewicht |
5 t |
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Besonderheiten |
Ausstattung/Ausrüstung Sondersignalanlage |
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Geräte-Anhänger |
Ewers/Meschede (Ausrüstung: Dönges/Wermelskirchen) Abmessungen - ca.: 5,58 m (L), 2,17 m (B), 3,15 m (H mit Boot) Gesamtgewicht Boote (Lava Marine/Bad Lippspringe) - 1 x Schlauchboot mit Alu-Rumpf u. Außenbordmotor, Persönliche Schutzausrüstung (PSA) - Neopren-Anzüge (gegen Unterkühlung), Beleuchtung |
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Besatzung |
1/4 (Truppführer u. 4 Einsatzkräfte) |
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Indienststellung |
2025/2026 |
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sonstiges |
Durch das Land NRW wurden 11 baugleiche MZF-W u. 40 GAnh-SFW-Rett für den KatS beschafft. |
Fortsetzung von der Startseite:
Die Beschaffung der neuen Fahrzeuge durch das Land NRW ist eine direkte Folge aus der Flutkatastrophe im Sommer 2021. Damals starben in Nordrhein-Westfalen und im Ahrtal (Rheinland-Pfalz) mehr als 180 Menschen. „Wir müssen auf dem Wasser genauso krisenfest sein wie auf dem Land“, sagte Innenminister Herbert Reul vor einem Jahr in Düsseldorf. Damals wurden die neuen Mehrzweckfahrzeuge-Wasserrettung (MZF-W) und die ersten Geräteanhänger Strömungs- und Fließwasserrettung (GAnh-SFW-Rett) an die Landesverbände Westfalen und Nordrhein der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sowie die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) übergeben. Mittlerweile ist die Beschaffung abgeschlossen: Im Januar 2026 hat die Bezirksregierung Düsseldorf die letzten sieben Anhänger an die Wasserrettungszüge (WRZ) des Landes übergeben. Alleine 18 der 20 WRZ in NRW werden von der DLRG betrieben. Mit bundesweit rund 640.000 Mitgliedern in rund 2.000 Ortsgruppen ist sie die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt. Gegründet wurde sie im Jahr 1913, nachdem es in Binz auf Rügen zum Einsturz eines Stegs gekommen war und mindestens 16 Menschen in der Ostsee ertranken. Seit jener Zeit hat die DLRG ein Hauptziel: Die Menschen vor dem Ertrinkungstod zu bewahren!
Fahrzeuggespann des Wasserrettungszugs NRW: Mehrzweckfahrzeug-Wasserrettung mit Geräteanhänger Strömungs- und Fließwasserrettung. (Foto: Ewers/Meschede)
Maßgeschneidertes Gespann
Die Gefahr von Extremwetterlagen, wie Starkregen mit Überschwemmungen, ist in Zeiten des Klimawandels allgegenwärtig. Die neuen Fahrzeug-Gespanne des Katastrophenschutzes NRW, bestehend aus MZF-W und GAnh-SFW-Rett, wurden speziell für die Anforderungen der Wasserrettung konzipiert. Als Zugfahrzeug dient ein Mercedes-Benz Sprinter 519 CDI, dessen durchzugsstarker Dieselmotor (190 PS/140 kW) seine Kraft auf alle vier Räder (4x4) überträgt. Die Schaltvorgänge erledigt ein 7-Gang-Automatikgetriebe. Ein Unterfahrschutz bietet mehr Sicherheit im Gelände; seitliche Trittbretter erleichtern den Ein- und Ausstieg. Darüber hinaus zählen Klimaanlage, Standheizung, Rückfahrkamera und Abbiege-Assistent zur Ausstattung. B&T Solutions/Korschenbroich (Mosolf Gruppe) hat den Kastenwagen ausgebaut und mit Digitalfunk (Typ Sepura) sowie einer Sondersignalanlage (Typ Hänsch) ausgerüstet. Das Fahrzeug bietet Platz für fünf Strömungsretter (SR) und einen Teil ihrer Ausrüstung.
GAnh-SFW-Rett mit zwei Bootstypen an Bord
Der Geräteanhänger ist ebenfalls eine maßgeschneiderte Sonderanfertigung für die Strömungs- und Fließwasserrettung. Die Firmen Ewers/Meschede (Anhängerfertigung), Lava Marine/Bad Lippspringe (Lieferung der Boote) und Dönges/Wermelskirchen (Lieferung der übrigen Ausrüstung) haben bei der Umsetzung des Projektes eng zusammengearbeitet. Zwei Boote, mit denen jeweils bis zu sechs Personen transportiert werden können, bilden die zentralen Ausrüstungsbestandteile. Das Schlauchboot mit Aluminiumrumpf und Außenbordmotor wird dabei im Inneren des 5,58 Meter langen Anhängers mitgeführt. Bei „ortsnaher Standortverlegung“ erfolgt der Transport des zweiten Schlauchbootes, eines sogenannten Wildwasser-Rafts, im aufgepumpten Zustand auf dem Dach. An der Einsatzstelle werden das Heck und die seitlichen Klappen des Anhängers geöffnet. Eingehängte Zeltplanen schützen das Personal vor Umwelteinflüssen. Zur weiteren Beladung zählt die Persönliche Schutzausrüstung (PSA), die bei einem Strömungsretter aus Neopren-Anzug samt Neoprenstiefeln, Helm, Handschuhen als Schutz vor Seilbrand und Wildwasserweste besteht.
Große Flüsse erreichen bei Hochwasser eine Fließgeschwindigkeit von vier Metern pro Sekunde (rund 14 Stundenkilometer). Auf dem Anhänger sind daher zahlreiche Materialien für die Fließwasserrettung verstaut. Dazu zählen Seilmaterial bzw. Tauwerk, Winde, Umlenkrollen (Seilrollen), Flaschenzugsystem, Seilklemmen und Karabinerhaken sowie eine Seil- bzw. Wurfbeutelschleuder, mit der ein Rettungsseil „abgeschossen“ werden kann. Um Suchaktionen in der Nacht durchführen zu können, sind auf jedem Anhänger ein Stromerzeuger, zwei LED-Strahler mit Dreibeinstativ und zwei Suchscheinwerfer vorhanden.
Spezialkräfte
Die Wasserrettungszüge sind taktische Einheiten des Katastrophenschutzes NRW (KatS NRW). Jeder WRZ zählt 48 Retter, die Führungstrupp, Tauchgruppe, zwei Bootsgruppen, Strömungsretter- und Fließwasserrettungsgruppe sowie Logistiktrupp bilden. Zu ihren Aufgaben zählen die Rettung und Evakuierung von bis zu 50 Personen pro Stunde aus „gefährlichen Zonen“, die Sicherstellung der Grundversorgung in nicht evakuierten Gebieten sowie die Hilfe bei der Deichverteidigung. Die Koordinierungsstellen der DLRG-Landesverbände Westfalen und Nordrhein sind die zentralen Anlaufstellen für die Planung und Koordination von Katastrophenschutzeinsätzen der Wasserrettungszüge NRW. (Redaktion: kfv-herford.de)
-Vo-

Mercedes-Benz Sprinter 519 CDI 4x4 (Ausbau B&T Solution) für die Wasserrettung. (Foto: DLRG Eitorf)
Insgesamt elf Mehrzweckfahrzeuge hat das Land NRW beschafft, um die Wasserrettungszüge zu stärken. (Foto: DLRG/Thorsten David)
Der Geräteanhänger Strömungs- u. Fließwasserrettung (Länge: 5,58 Meter) ist ein Gemeinschaftsprodukt der Firmen Ewers (Anhänger), Lava Marine (Boote) und Dönges (übrige Ausrüstung). (Foto: Ewers/Meschede)
Im Inneren ist Platz für die Gerätschaften, darunter ein Schlauchboot mit Aluminiumrumpf. (Foto: Ewers/Meschede)
An die geöffneten Seitenklappen können Zeltplanen als Wetterschutz eingehängt werden. (Foto: Ewers/Meschede)
Hinweis: Der KFV Herford benötigt ständig interessante Fahrzeugfotos der Feuerwehr und übrigen Hilfsorganisationen zur Aktualisierung seiner Internetseite. Bildzusendungen unter Nennung des Urhebers an: