Fahrzeug des Monats März 2026 - vollelektrische Drehleiter 26/12 (eDLK 26/12)

Fahrzeug des Monats

März 2026

vollelektrische Drehleiter 26/12 (eDLK 26/12)  

Einsatzfahrzeug der Berliner Feuerwehr   
Standort: Berliner Feuerwehr- u. Rettungsdienst-Akademie (BFRA), Berlin-Reinickendorf
Funkrufname:  „Florian Berlin eDLK“

Technische Daten

Fahrgestell (Hersteller)

Scania

Typ

P 230 Electric (25 P BEV)

Antriebsart (Radformel)

batterieelektrisch (4x2)

Motorleistung (Dauerbetrieb)

313 PS (230 kW)

Getriebe

Zweiganggetriebe (automatisiert)

Hochvoltsystem

ca. 650 V

Batteriekapazität

165 kWh

Ladeleistung

max. 130 kW (DC/Gleichstrom)

(Auf-)Ladedauer

ca. 55 Minuten  (auf 80 %)

Reichweite

ca. 130 km

Höchstgeschwindigkeit

85 km/h

Abmessungen

ca. 10,0 m (L), 2,50 m (B), 3,40 m (H)

zul. Gesamtgewicht

17,3 t

Ausbau/Ausrüstung
(Konstruktion)

Rosenbauer Karlsruhe

- Typ L32A-XS electric

Podium

- Aluminium-Sicherheitspodium,
- 7 x Geräteraum

Leitersatz

- 5-teilig,
- abneigbarer Korbarm (4,35 m lang),

- Arbeitshöhe: bis zu 33,5 m,
- Rettungshöhe: 26 m,
- Hebelast (Lastöse): max. 4 t

Abstützung

- Waagerecht-Senkrecht-Abstützung,

- Abstützbreite: 2,50 m – 4,80 m

Rettungskorb

- Typ HR-500 MF,

- Nutzlast: max. 500 kg (5 Personen),
- Krankentragenlagerung: max. 300 kg Nutzlast

- Wasserwerfer: 2.000 l/min

Elektrik

- tragbarer Stromerzeuger (Typ Rosenbauer RS14),
- Leistung: 14 kVA,

- Stromhochführung (230V/400V) zum Rettungskorb

Besatzung

1/2 (Trupp)

Erstzulassung  

3/2025

Amtl. Kennzeichen

B-2321

sonstiges

erste eDLK einer kommunalen Feuerwehr in Deutschland



Fortsetzung von der Startseite:

Das Rosenbauer-Kompetenzzentrum für Hubrettungsgeräte (ehemals Metz) befindet sich in Karlsruhe/Baden-Württemberg. 470 Mitarbeitende entwickeln, fertigen und warten dort Drehleitern und Hubrettungsbühnen für Einsätze von 20 bis zu 64 Metern Höhe. Rosenbauer, mit Hauptsitz in Österreich, gilt als einer der Pioniere bei der Elektrifizierung von Feuerwehrfahrzeugen und hat sich als führender Anbieter in diesem Bereich positioniert. Es verwundert deshalb nicht, dass der Feuerwehrausrüster mit der L32A-XS electric (eDLK 26/12) auch eine elektrische Drehleiter der „30-Meter-Klasse“ im Programm hat. Solche Modelle sind bereits in Österreich und der Schweiz im Einsatz. Nun hat die Berliner Feuerwehr ebenfalls eine eDLK beschafft.

E-Chassis von Scania

Als Fahrgestell dient ein Scania P 230 Electric (25 P BEV), der mit einem Permanent-Magnet-E-Motor (permanentmagneterregter Elektromotor) und einem System zur Bremsenergie-Rrückgewinnung ausgerüstet ist.  Ein zusätzlicher E-Motor ist für den Leiterbetrieb als elektrischer Nebenantrieb verbaut. Über ein automatisiertes 2-Gang-Getriebe wird die Hinterachse angetrieben (4x2).  Das Getriebe ermöglicht eine hohe Anfahrzugkraft bei geringem Energieverbrauch und eine optimierte Effizienz bei höheren Geschwindigkeiten, während der Hinterachsantrieb dem Fahrzeug eine gute Traktion und ein direktes Fahrgefühl verleihen. Die Dauerleistung des E-Motor-Systems – es arbeitet mit rund 650 Volt Spannung - gibt Scania mit 230 Kilowatt (313 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 2.200 Newtonmetern an. Der P 230 Electric ist mit fünf Lithium-Ionen-Akku-Paketen ausgerüstet, deren Gesamtkapazität 165 Kilowattstunden beträgt. Eine Batterie sitzt an der Stelle des fehlenden konventionellen Verbrennungsmotors und die übrigen Packs seitlich am Chassis, wo auch die Steuereinheit und die Kühlung der Batterien montiert sind. Die Reichweite des E-LKWs wird mit rund 130 Kilometern angegeben. Etwa 55 Minuten dauert es, um die leeren Akkus wieder bis zu 80 Prozent aufzuladen.


eDLK Berlin aDie Berliner Feuerwehr hat eine vollelektrische Drehleiter (Scania/Rosenbauer)
in Betrieb genommen – als erste Feuerwehr in Deutschland.
(Foto: Berliner Feuerwehr)

Entwickelt für Einsatzsituationen mit wenig „Freiraum“

Ab der Schnittstelle zum Nebenantrieb ist das vollelektrische Hubrettungsgerät der Berliner Feuerwehr mit der Rosenbauer-Standarddrehleiter L32A-XS identisch. Der 5-teilige Leitersatz mit Gelenkarm - er wurde von Robotern geschweißt - besteht aus hochfestem, pulverbeschichteten Feinkornstahl. Bei einer Ausladung von zwölf Metern (Abstand zum Gebäude) beträgt die Rettungshöhe 26 Meter, sodass die Bezeichnung eDLK 26/12 gerechtfertigt ist. Da das Gelenk innerhalb des Leiterarms positioniert wurde, kann die L32A-XS  auch bei beengten Platzverhältnissen gedreht und der Rettungskorb mit (nur) 2,20 Meter Abstand zum Fahrzeug auf dem Boden abgestellt werden. Kommt die Leiter auf abschüssigem Gelände zum Einsatz, sorgt der automatische Terrainausgleich dafür, dass das Drehgestell in der Horizontalen verbleibt. Die maximale Stützbreite der Waagerecht-Senkrecht-Abstützung beträgt 4,80 Meter und damit weniger als die genormte Aufstandsfläche von fünf Metern.   

Der Rettungskorb (HR-500 MF) ist für eine Nutzlast von 500 Kilogramm bzw. fünf Personen ausgelegt. Er besticht neben der hohen Tragfähigkeit durch seine multifunktionale Verwendungsmöglichkeit. Je nach Einsatz kann er rasch und unkompliziert mit Korbtrage, Wasser-/Schaumwerfer, Hochleistungslüfter oder Kettensägehalterung bestückt werden. Leistungsstarke LED-Scheinwerfer sorgen für entsprechende Beleuchtung am Einsatzort, Steckdosen ermöglichen den Einsatz von strombetriebenen Geräten und Werkzeugen und für maximale Sicherheit bei Brandeinsätzen ist der Korb mit Selbstschutzdüsen ausgestattet. Über den hinteren Ausstieg gelangt man auf den Leitersatz. Weitere Ein- bzw. Ausstiegsmöglichkeiten sind vorne und an den Seiten vorhanden. Zudem lässt sich der Bedienstand seitlich wegklappen. Der Korb kann so in jeder erdenklichen Einsatzsituation sicher betreten und verlassen werden. Zur Grundausstattung des Leitersatzes gehört eine integrierte Wasserführung für den Löscheinsatz. So können über den am Korb montierten Werfer bis zu 2.000 Liter Löschmittel pro Minute abgegeben werden.  

eDLK Berlin bAb der Schnittstelle zum Nebenantrieb ist das Fahrzeug mit der
Rosenbauer-Standardleiter L32A-XS identisch.
(Foto: Berliner Feuerwehr)

Verwendung im Ausbildungsbetrieb statt Einsatzalltag

Die eDLK sei in puncto Elektromobilität noch konsequenter als die elektrischen Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeuge (eLHF), heißt es von der Berliner Feuerwehr. Die eLHF - 2020 wurde das erste dieser Fahrzeuge in der Hauptstadt in Dienst gestellt - verfügen über Hybridantriebe, können also auf Dieselaggregate (Range Extender) zurückgreifen, die die leeren Antriebsakkus wieder aufladen. Die eDLK fährt hingegen nur rein elektrisch. Das ergebe Sinn, heißt es aus der Hauptstadt: „Zusätzliche Verbrennungsantriebe machen die Technik deutlich komplizierter und wartungsanfälliger.“ Geht der Strom zur Neige, wird die Drehleiterbesatzung per Display gewarnt. Dann kann die Leiter im Notbetrieb weiterhin gesteuert werden. Ein benzingetriebener Generator sorgt für die Stromversorgung. Auch ohne Range Extender bringt die eDLK mehr als 17 Tonnen auf die Waage und ist damit für die Feuerwehraufstellflächen, die für 16 Tonnen ausgelegt sind, zu schwer. Das liegt hauptsächlich am Gewicht der Antriebsakkus. In Berlin bleibt man optimistisch: „Schon die nächste Batteriegeneration wird leichter sein!“ Bis dahin wird die neue vollelektrische Drehleiter hauptsächlich an der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie (BFRA) in Berlin-Reinickendorf zu Schulungszwecken eingesetzt.  Die Technologie werde im Rahmen einer Erprobungsphase auf ihre Praxistauglichkeit für den zukünftigen Einsatzdienst getestet, erklärt die Berliner Feuerwehr.  Mittlerweile zählen neben der Drehleiter sechs Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeuge, drei Rettungswagen, zwei Gerätewagen-Hygiene (Volvo/Rosenbauer), ein Einsatzleitwagen und mehrere Kommandowagen zum batterieelektrisch betriebenen  Fuhrpark. Zwei weitere eLHF befinden sich in der Auslieferung (Stand 2025).

eDLK Berlin cProbleme gibt es mit dem Gewicht: Die elektrische Drehleiter wird deshalb hauptsächlich an der
Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie zu Schulungszwecken eingesetzt
und hier auf ihre Praxistauglichkeit getestet.
(Foto: Berliner Feuerwehr)

Über die Berliner Feuerwehr

Die Berliner Feuerwehr (gegründet 1851) ist die älteste und größte Berufsfeuerwehr in Deutschland. Sie zählt 5.685 hauptberufliche Mitarbeitende, davon 3.887 Feuerwehrleute mit feuerwehrtechnischer Ausbildung (Stand 2024). In der Bundeshauptstadt (rd. 3,9 Mio. Einwohner) gibt es 36 Feuer- und Rettungswachen (FW), 43 Rettungswachen (RW) und 59 Standorte der Freiwilligen Feuerwehr (FF). Im Jahr 2024 wurde die Berliner Feuerwehr 532.157 Mal um Hilfe gerufen. 85 Prozent davon waren Einsätze für den Rettungsdienst.
An der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie (BFRA) sind rd. 200 Mitarbeitende  beschäftigt, die jährlich knapp 1.000 Ausbildungs- und Seminarveranstaltungen mit über 10.000 Teilnehmenden der Feuerwehr und des Rettungsdienstes durchführen. In diesem Jahr feiert die Berliner Feuerwehr ihr 175-jähriges Jubiläum. In der Hauptstadt sind aus diesem Anlass zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen geplant. (Redaktion: kfv-herford.de)

                                                                                                                                                   -Vo-

 

 

Hinweis:     Der KFV Herford benötigt ständig interessante Fahrzeugfotos der Feuerwehr und

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