Lutz Kölling feierlich verabschiedet
Herford. Fünf Jahre lang war Lutz Kölling Leiter der Feuer- und Rettungswache Herford. Als stellvertretender Wehrführer hat er gleichzeitig die Geschicke der Feuerwehr Herford mitgelenkt. Am Freitag (30.10.2026) ist der mittlerweile 60-Jährige in den Ruhestand gegangen – nicht ohne zuvor von seinen Kamerad/en/innen gebührend verabschiedet zu werden: mit Blaulicht und Martinshorn, lodernden Fackeln, vielen lobenden Worten und einem eigens für ihn komponierten Schlagersong. Marilena Nolting (33) ist bereits als neue Chefin im Dienst. Erstmals in der mehr als 100-jährigen Geschichte leitet damit eine Frau die Hauptamtliche Wache.
Seinen letzten Arbeitstag wird Lutz Kölling wohl so schnell nicht vergessen. Am Morgen rückte ein Löschzug der Feuerwehr Herford aus, um den scheidenden Feuerwehrchef an seinem Wohnort in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke) abzuholen. Der Brandoberrat hatte seinen Schreibtisch in der Feuerwehr- und Rettungswache an der Werrestraße bereits geräumt. Seiner Nachfolgerin, die er in den letzten vier Wochen eingearbeitet hatte, gab er nun letzte Tipps mit auf den Weg. Am späten Nachmittag stieg die Spannung. Mit einer historischen Drehleiter 25 plus 2 von Magirus Deutz ging der 60-Jährige auf Abschiedstour. Bärbel Kleemeier vom Feuerwehrmuseum Kirchlengern-Häver chauffierte Kölling durch die Hansestadt. Auf der Rückbank hatten Ehefrau Ulrike und die Zwillingssöhne Louis (24) und Finn (24) Platz genommen. Schließlich führte die Fahrt den Stiftberg hinauf zum Bildungscampus. Als der historische Rundhauber in den Mary-Somerville-Boulevard einbog, standen dutzende Feuerwehrleute, Rettungsdienstmitarbeitende, Mitglieder der Kinderfeuerwehr, Jugendfeuerwehr und Ehrenabteilung in Reih und Glied am Fahrbahnrand. Sie sorgten mit Fackeln, die in der Dämmerung loderten, für eine besonders feierliche Atmosphäre. Lutz Kölling schritt an der langen Menschenreihe vorbei, hielt immer wieder an, um sich zu bedanken. „Jahrelang für den Traumjob gebrannt – jetzt wird abgekühlt! Alles Gute, lieber Lutz“, stand auf einem Plakat, das die Feuerwehrleute in den Händen hielten. Als dann noch das Blasorchester der Feuerwehr Herford die Coldplay-Hymne Viva la Vida (Lebe das Leben) spielte, muss sich der gestandene Feuerwehrmann die ein oder andere Träne abdrücken: „Ich bin wirklich gerührt!“
Haupt- u. ehrenamtliche Feuerwehrleute stehen zur Verabschiedung von Lutz Kölling Spalier.
In einem historischen Drehleiterfahrzeug geht es für den scheidenden Feuerwehrchef über das Gelände des Bildungscampus.
Zu seiner Verabschiedung haben sich die Kamerad/en/innen einiges einfallen lassen.
(v.l.) Stellv. Wehrführer Axel Freitag, Wehrführer Karsten Buschmann, Lutz Kölling u. Nachfolgerin Marilena Nolting.
Abschied mit 200 Gästen
Der offizielle Teil der Verabschiedung fand anschließend im Gerätehaus der Löschgruppe Schwarzenmoor an der Senderstraße statt. Rund 200 Gäste wollten sich das nicht entgehen lassen. Wehrführer Karsten Buschmann fand in seiner Laudatio viele lobende Worte. Schnell sei die anfängliche Skepsis gegenüber dem „Neuen“, gemeint war Lutz Kölling, gewichen. „Ich kann nur sagen, wir haben schnell einen Draht zueinander gefunden.“ Aus einer kameradschaftlichen, kollegialen Zusammenarbeit habe sich im Verlaufe der letzten fünf Jahre eine tiefe Freundschaft entwickelt. „Wir verabschieden deshalb heute Abend nicht nur einen Kameraden und Kollegen, sondern auch einen guten Freund in den Ruhestand“, sagte Buschmann. Gemeinsam habe man viel erreichen können. Der Wehrführer nannte als Beispiele die Aufstockung des hauptamtlichen Personals, den Beschluss zum Neubau des Gerätehauses im Stadtteil Elverdissen, den Grundsatzbeschluss „Neubau Feuer- und Rettungswache“ und nicht zuletzt die Beschaffung der neuen Einsatzkleidung. Der Wehrführer skizzierte kurz den beruflichen Werdegang, den Kölling durchlaufen hatte. Nach dem Studium führte sein Weg zunächst zur Berliner Feuerwehr. Später ging es weiter zur Berufsfeuerwehr Minden. „Und danach der krönende Abschluss in Herford. Ich denke, etwas Schöneres kann es nicht geben“, meinte Buschmann mit einem Augenzwinkern.
Bürgermeisterin Anke Theisen schloss sich den Worten des Wehrführers an. „Sie haben in Ihrem Berufsleben nicht nur den Einsatzdienst kennengelernt, sondern auch die vielfältigen organisatorischen Aufgaben, die notwendig sind, damit eine Feuerwehr zuverlässig arbeiten kann.“ Die Leitung einer Feuerwache sei im Übrigen keine Aufgabe, die man nach Dienstschluss einfach hinter sich lasse. Sie verlange Fachwissen, Organisationstalent, Entscheidungsfähigkeit und die Bereitschaft, in schwierigen Situationen Verantwortung zu übernehmen. „Sie haben all die Aufgaben mit viel Elan ausgefüllt. Dafür danke ich Ihnen im Namen der Stadt Herford“, sagte Theisen. Lutz Kölling selbst bekam auch noch Gelegenheit ein paar Worte zu sagten: „Es war der richtige Schritt, nach Herford zu gehen. Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt“, so der scheidende Chef der Hauptamtlichen Wache. Er zeigte sich sicher: „Gemeinsam haben wir die Feuerwehr Herford zukunftssicher aufgestellt!“ Die Entscheidungen der Wehrführung seien im Übrigen immer einstimmig getroffen worden – bis auf ein einziges Mal. Als es um die Beschaffung der neuen Einsatzkleidung ging, plädierte Kölling für die Farbe Rot. Am Ende setzte das demokratische Votum aber die sandfarbene Variante durch. „Es war eine schöne Zeit“, mit diesen Worten verabschiedete sich Kölling von der „Feuerwehrfamilie“ der Stadt Herford und fügte hinzu: „Mit Nachfolgerin Marilena Nolting bekommt Ihr eine gute neue Chefin.“
Dass der Abschied emotional werden würde, war klar. Dass er aber auch ein musikalisches „Schmankerl“ bereithalten würde, kam dann doch überraschend. Kurz nach den Abschiedsworten dröhnte ein ganz spezieller, eigens mit KI-Hilfe komponierter Schlagersong aus dem Lautsprecher. Frei nach der Kölner Legende Trude Herr schallte es durch das Gerätehaus: „Niemals geht man so ganz, irgendwas von Lutz bleibt hier, es hat seinen Platz immer bei der Feuerwehr Herford …“
Lutz Kölling mit Ehefrau Ulrike und den Zwillingssöhnen Finn u. Louis.
Abschied aus dem Kreis der Kinderfeuerwehr: (v.l.) Peter Lücking, Lutz Kölling, Birthe Bauer u. Ben Tharun.
Berlin – Minden - Herford
Alles begann im Alter von 18 Jahren, als Kölling in die Löschgruppe des Petershagener Ortsteils Frille eintrat. Was als engagiertes „Hobby“ seinen Anfang nahm, ließ ihn nicht mehr los. Nach dem Studium der Elektrotechnik an der Universität Bielefeld traf er die Entscheidung, seine Passion zum Beruf zu machen. 1994 startete er seine Ausbildung bei der Berliner Feuerwehr, wo er wertvolle Erfahrungen sammelte. Kölling war unter anderem als Zugführer an der Feuerwache Wedding im Einsatz und wirkte in der Projektgruppe für den Neubau der Leitstelle mit. Zudem zeichnete er als Leiter des Fernmeldeeinsatzdienstes für den Einsatzleitwagen 3 (ELW 3) sowie den Bereich „Entstörung“ – etwa bei einem Ausfall des Notrufs – verantwortlich. Das teure Leben in der Millionenstadt und die damals eingeschränkten beruflichen Aufstiegschancen bewogen Kölling 1999 zur Rückkehr in seine ostwestfälische Heimat. Bei der Berufsfeuerwehr Minden stieg er 2011 zum stellvertretenden Leiter auf und übernahm ab 2017 die Leitung der Abteilung „Service Technische Dienste“. Zum 1. August 2021 folgte schließlich der Wechsel nach Herford. Als Leiter der Hauptamtlichen Wache trug er fortan die Verantwortung für die drei Wachabteilungen und den Rettungsdienst mit insgesamt 118 Beschäftigten. Gleichzeitig rückte Kölling als stellvertretender Leiter der Feuerwehr Herford in die Wehrführung auf. In seine Dienstzeit fielen zahlreiche prägende Einsätze. „Die Großbrände bei den Unternehmen Schlafmond und Mehlhose, aber auch das verheerende Feuer auf Hof Wetehof und der ABC-Einsatz am Herforder Bahnhof sind mir in bleibender Erinnerung geblieben“, resümierte der Brandoberrat.
Als Löschgruppenführer in Frille und Mitglied der Kreiseinsatzleitung Minden-Lübbecke bleibt er dem Ehrenamt weiterhin eng verbunden. „Das „Feuerwehrvirus“ hat auch seine Zwillingssöhne Finn und Louis gepackt. Beide studieren derzeit in Köln und engagieren sich aktiv bei der dortigen Feuerwehr. Für den frischgebackenen Pensionär steht nun erst einmal Erholung auf dem Plan. Mit einem Kumpel geht es zum Wandern nach Bayern, und im Januar folgt ein Skiurlaub mit Ehefrau Ulrike in Südtirol.
Auf Lutz Kölling folgt nun Marilena Nolting, die ihr Amt als Leiterin der Hauptamtlichen Wache offiziell zum 1. November antritt. Die 33-jährige Brandrätin war zuvor Dozentin im Dezernat Krisenmanagement und Forschung am Institut der Feuerwehr NRW in Münster. Zuvor war sie stellvertretende Abteilungsleiterin für Verwaltung und Bevölkerungsschutz im Feuerwehramt der Stadt Bielefeld. Nolting ist zudem tief in der Freiwilligen Feuerwehr verwurzelt. In ihrer Heimatlöschgruppe Extertal-Almena (Kreis Lippe) übernimmt sie in ihrer Freizeit die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist zudem als Trainerin am Feuerwehrausbildungszentrum des Kreises Lippe in Lemgo aktiv. „Ich freue mich sehr darauf Euch und die Stadt Herford kennenzulernen“, erklärte Nolting am Freitagabend.
Jens Vogelsang
(Text u. Fotos)















Das Blasorchester der Feuerwehr Herford sorgt zur Verabschiedung für stimmungsvolle Klänge.

(v.l.) Kämmerer Jochen Strieckmann, stellv. Wehrführer Axel Freitag, Lutz Kölling (scheidender Leiter der Hauptamtlichen Wache),
Marilena Nolting, neue Leiterin der Hauptamtlichen Wache, u. Wehrführer Karsten Buschmann.





Bürgermeisterin Anke Theisen findet lobende Worte zur Verabschiedung.
Frank Viermann, scheidender Mitarbeiter der Hauptamtlichen Wache, geht an diesem Tag ebenfalls in den Ruhestand.

