Fahrzeug des Monats September 2018 - Löschpanzer

Fahrzeug des Monats

September 2018


Löschpanzer (Typ Spot-55)
Einsatzfahrzeug der DiBuKa GmbH, Dienstleistungen im Brand- u. Katastrophenschutz,
Seehausen/Altmark (Landkreis Stendal, Sachsen-Anhalt)

Technische Daten

Typ

Löschpanzer Spot-55
- in der ehemaligen Tschechoslowakei gebaut

Basis

Kampfpanzer T-55
- sowjetischer Standardpanzer (1960er u. 1970er Jahre)
- selbsttragende Wanne (aus gewalztem Panzerstahl)
- Räumschild

Motor

4-Takt-Diesel-Motor im Heck
- 12 Zylinder V
- Wasserkühlung, Lüfter
- Gewicht: rd. 980 kg

Hubraum

38.880 ccm (38,8 Liter!)

Leistung

425 kW (578 PS) bei 2.000 U/min

Verbrauch

rd. 210 Liter Diesel auf 100 km Straße (im Gelände höher)

Reichweite

170 km

Fahrwerk

5 Doppellaufrollen pro Seite (in Einzelaufhängung)
1 Leitrad pro Seite (vorn)
1 Antriebsrad pro Seite (hinten)

Gleisketten (Raupenketten)
- 90 Kettenglieder pro Seite
- aus Stahlguss mit Metallgummigelenken
- 58 cm breit

Drehstabfederung

Bodenfreiheit: 42,5 cm

Steigungsfähigkeit: 20 Grad

Watfähigkeit: max. 1,40 m Wassertiefe

Überschreitfähigkeit: max. 2,70 m Grabenbreite

Getriebe

Wechselgetriebe
- 5 Vorwärts- u. 1 Rückwärtsgang

Seitenvorgelege (Erweiterung des Schaltgetriebes)
- Umlaufräder

Zwischengetriebe
- Zahnrad

Planetenlenkgetriebe
- Umlaufräder

Höchstgeschwindigkeit

50 km/h

Abmessungen

7,12 m (L) x   3,28 m (B) x 2,84 m (H)

zul. Gesamtgewicht

45 t

Ausstattung/ Beladung

hydraulische Pumpe (im Heck)

2 drehbare Schaum-/Wasserwerfer („Löschkanonen“)
- aus dem gepanzerten Innenraum steuerbar
- Wurfweite: 65 m (Wasser), 50 m (Schaum)
- Löschmittelausstoß: max. 2.270 l/min

Schnellangriffseinrichtung im Heck
- Leistung: 1.250 l/min

Löschmittel
- zentraler Tank: 9.000 l Wasser
- Seitentank: 2.000 l Schaummittel
- 2 x 250 kg Pulver

Selbstschutzeinrichtung
- durch Wasserdüsen auf der Panzeroberfläche

Innenraum ist vor radioaktiver Kontamination geschützt

Sondersignalanlage

Typ Tesla (Tschechische Republik)
- Modell AZD 500

sonstiges

Fernsteuerung des Löschpanzers (aus bis zu 1,5 km Entfernung möglich)
Radio- und TV-System
Telefonverbindung
Rangierkamera

Besatzung

3 Mann (Fahrer, Mechaniker, Pumpenmaschinist)

Wissenswertes:
Löschpanzer kommen immer dann zum Einsatz, wenn die Gefahr für die Löschmannschaft besonders groß ist. Ihre Vorteile liegen auf der Hand: Die Hülle aus gewalztem Panzerstahl bietet optimalen Schutz vor Hitze, Flammen, Explosionen und Gebäudetrümmern. Der Kettenantrieb garantiert im Übrigen, dass es auch im schweren Gelände vorrangeht.
Der Spot-55, der in der ehemaligen Tschechoslowakei auf Basis des russischen Kampfpanzers T-55 gebaut wurde, verfügt über diese besonderen Eigenschaften. Die Spezialfahrzeuge sind dort immer noch im Einsatz. So unterhält das Militär der Tschechischen Republik fünf Rettungsbasen für den Katastrophenfall. Mannschaft und Gerät, darunter die Spot-55-Löschpanzer, sind dort jederzeit abrufbar. Seine Serienfertigung umfasste lediglich 32 Stück. Die Hälfte davon ging in den Export.

DiBuKa entdeckte Marktlücke

Zwei der außergewöhnlichen Löschfahrzeuge gehören heute zum Fuhrpark der DiBuKa GmbH aus Seehausen in der Altmark (Sachsen-Anhalt). Das private Unternehmen mit Niederlassung in Perleberg (Brandenburg) hat sich auf Dienstleistungen im Brand- und Katastrophenschutz spezialisiert. Firmenchef Hans Joachim Schulz hatte die Idee: In Brandenburg gibt es riesige Kiefernwälder. Und die sind - auch mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs - immer noch munitionsbelastet. Kommt es in dieser Region zu einem Waldbrand, wie gerade erst geschehen, besteht für die Einsatzkräfte der Feuerwehr Lebensgefahr. In einem solchen Fall rücken Schulz und seine Leute mit „Anna“ und „Maria“, wie sie ihre beiden stählernen Kolosse getauft haben, aus, um die Löscharbeiten zu unterstützen. Mit dem Land Brandenburg besteht dazu sogar ein Kooperationsvertrag.

Beeindruckendes Kraftpotenzial

Allerdings müssen die beiden „Geschwister“ im Notfall per Tieflader zur Einsatzstelle transportiert werden. Der gut sieben Meter lange Spot-55 hat nämlich keine Straßenzulassung. Ein Grund dafür ist sein enormes Gewicht von 45 Tonnen. Aufgrund seiner geringen Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern würde er wohl außerdem zum Verkehrshindernis werden. Der Panzer rollt auf 180 Kettengliedern daher, die eine Breite von 58 Zentimetern messen. Sein Kraftpotenzial ist beeindruckend: Der mächtige 12-Zylinder-Block im Heck holt aus 38,8 Litern Hubraum 578 PS. Mit dieser Motorisierung ist der Spot-55 kaum zu halten. Gräben bis zu 2,70 Meter Breite überschreitet er mühelos; Wassertiefen bis zu 1,40 Meter durchwatet er ohne Probleme. Sollte ein Hindernis den Weg versperren, wird das mit dem im Frontbereich montierten Räumschild kurzerhand beiseitegeschoben. Die Verbrauchswerte des Kraftpakets verwundern angesichts solcher Leistungen nicht. So genehmigt sich die Maschine stolze 210 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Geht es durch besonders schweres Gelände, kann der Spritverbrauch durchaus noch steigen. Dann ist der Kraftstofftank bereits nach 170 Kilometern leer.

Schaum-/Wasserwerfer statt Geschützturm

Der Spot-55 ist besonders für den Brandeinsatz in munitionsbelasteten Wald- und Heidegebieten geeignet. Statt eines Geschützturms verfügt er über einen zivilen Aufbau mit zwei drehbaren Schaum-/Wasserwerfern. Außerdem ist im Heck eine Schnellangriffseinrichtung vorhanden. Der Löschpanzer führt im Haupttank 9.000 Liter Wasser und im Seitentank 2.000 Liter Schaummittel mit. Außerdem hat er 500 Kilogramm Löschpulver an Bord. Für den nötigen Druck sorgt eine hydraulisch angetriebene Pumpe, die das Löschwasser auch aus bis zu 7,50 Meter Tiefe ansaugen kann. Der maximale Löschmittelausstoß liegt bei 2.270 Litern pro Minute. Die Besatzung besteht aus Fahrer, Mechaniker und Pumpenmaschinist. Sie aktiviert an der „Feuerfront“ die Selbstschutzeinrichtung. Zahlreiche Düsen versprühen daraufhin einen Wassernebel, der die Außenhaut des Panzers kühlt. Spezielle Verschlusseinrichtungen sorgen dafür, dass der Innenraum sogar gegen Radioaktivität geschützt ist. Sollte die Gefahr für die Besatzung dennoch zu groß werden, lässt sich das Kettenfahrzeug aus bis zu 1,5 Kilometern Entfernung fernsteuern.

Sehr gute Arbeit geleistet

Erst kürzlich kehrten „Anna“ und „Maria“ aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark zurück. Südöstlich von Treuenbrietzen war es nach wochenlanger extremer Trockenheit zu tagelangen schweren Waldbränden gekommen. Mit Hilfe der beiden Kettenfahrzeuge der DiBuKa GmbH wurden Schneisen in den Wald geschlagen, um ein Übergreifen der Flammen auf bewohnte Gebiete zu verhindern. Drei Dörfer wurden vorübergehend geräumt. 400 Hektar Wald verbrannten. Ein Großaufgebot der Feuerwehr aus allen Teilen Brandenburgs sowie Sachsen-Anhalt und Berlin brachte schließlich gemeinsam mit THW-Helfern sowie Hubschraubern der Bundeswehr und Bundespolizei die Flammen unter Kontrolle. Das Brandenburger Innenministerium prüft jetzt die Anschaffung eigener Kettenfahrzeuge. „Die Ende August eingesetzten Löschpanzer eines privaten Unternehmens und ein Räumpanzer der Bundeswehr hätten bei der Brandbekämpfung sehr gute Arbeit geleistet, hieß es aus Regierungskreisen. (Redaktion: kfv-herford.de)

-Vo-

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Anna und Maria heißen die beiden Löschpanzer der DiBuKa GmbH, einem Dienstleistungs-unternehmen im Brand- und Katastrophenschutz. (Foto: DiBuKa GmbH, Seehausen/Altmark)

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Der Löschpanzer vom Typ Spot-55 basiert auf dem russischen Kampfpanzer T-55. (Foto: DiBuKa GmbH, Seehausen/Altmark)

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Die munitionsbelasteten Waldgebiete in Brandenburg zählen zu seinem „Löschrevier“. (Foto: DiBuKa GmbH, Seehausen/Altmark)

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Er verfügt über zwei Schaum-/Wasserwerfer und ein Räumschild. (Foto: DiBuKa GmbH, Seehausen/Altmark)

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Der maximale Löschmittelausstoß beträgt rund 2.300 Liter pro Minute. (Foto: DiBuKa GmbH, Seehausen/Altmark)

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Der Transport zum Einsatzort erfolgt per Tieflader. (Foto: DiBuKa GmbH, Seehausen/Altmark)

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"Ein mächtiger V-12-Dieselmotor mit Vierventiltechnik und Dieseldirekteinspritzung sorgt für den Antrieb des Löschpanzers. (Foto: Balcer, Wikipedia)"

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