2018

Ein halbes Jahrhundert lang im Dienste der Sicherheit

Feierstunde zum 50-jährigen Jubiläum der Kreisfeuerwehrzentrale

DSC 0220Kreis Herford/Hiddenhausen. Vor 50 Jahren wurde in Hiddenhausen-Eilshausen die Kreisfeuerwehrzentrale gegründet. Seither unterstützt die Einrichtung die Wehren vor Ort mit Sondergeräten; und seither erfüllen die Mitarbeiter der Schlauch-, Funk- und Atemschutzwerkstatt wichtige Aufgaben, die für alle Feuerwehrleute im Kreis Herford von unschätzbarem Wert sind. Während der Feierstunde am Samstag (14.07.2018) hob Landrat Jürgen Müller die Bedeutung der Feuerwehrzentrale hervor. Er lobte aber auch die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Löschzug Eilshausen, der die Zentrale nach Feierabend besetzt. „Die damalige Entscheidung des Kreistags für den Standort Hiddenhausen-Eilshausen war geradezu segensreich!“

Ulrich Rolfsmeyer, Bürgermeister der Großgemeinde, schloss sich in seiner Laudatio den Worten des Landrates an: „Die Verbundenheit zur Feuerwehr Hiddenhausen ist eng und selbstverständlich.“ Die Feuerwehren hätten im gesamten Kreis Herford einen guten Ruf. „Eure Arbeit, die ihr ehrenamtlich leistet, wird von den Bürgerinnen und Bürgern anerkannt!“ Der Bürgermeister war sich sicher, dass gerade deshalb die Kreisfeuerwehrzentrale von der Nachbarschaft so gut akzeptiert werde. „Sieht man die Investitionen, die getätigt wurden und die noch kommen, dann ist das auch ein Standort, der Zukunft hat!“
Bevor die Feuerwehrzentrale 1968 ihren Betrieb aufnahm, gab es im Kreis Herford keine vergleichbare Einrichtung. „Das was es gab, und zwar seit 1957, war die zentrale Schlauchpflege des Amtes Herford-Hiddenhausen im Gerätehaus Herford-Elverdissen“, so Landrat Jürgen Müller zurückblickend. Dort sei auch der Schlauchwagen stationiert gewesen. Der charakteristische Schlauchturm des Elverdisser Feuerwehrdomizils ist übrigens bis heute erhalten geblieben und erinnert an jene Zeit. Außerdem gab es in Bünde einen Rüstwagen und eine Drehleiter, die kreisweit ausrückten. Die Wartung der Funkgeräte lag damals in den Händen der Kreispolizeibehörde. Was heute an zentraler Stelle vorhanden sei, war damals auf das gesamte Kreisgebiet verteilt, schilderte der Landrat. „So konnte das Ganze nicht bleiben!“

Kreisfeuerwehrzentrale für 1,5 DM

1963 begannen die Planungen für eine einheitliche Feuerwehrzentrale. Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer sprach den Personen seine Hochachtung aus, die bereits damals erkannt hätten, dass eine solche Einrichtung für den Kreis Herford erforderlich sei. „Man staune, das hat auch ohne Gutachter und Fachplaner bestens funktioniert!“ Als Standort hatte man zunächst nicht Hiddenhausen-Eilshausen ins Auge gefasst, sondern wollte nach Bünde gehen. Das dort vorgesehene Gelände war allerdings ein Erbbaugrundstück. In der entscheidenden Kreistagsitzung am 16. Oktober 1965 gab noch ein weiteres wichtiges Argument, das für das Grundstück in der Nähe des Feuerwehrgerätehauses Eilshausen sprach. Schon damals setzten die Verantwortlichen auf eine Kooperation mit einer Freiwilligen Feuerwehr und die Eilshauser Wehr, so ist in den alten Unterlagen nachzulesen, galt „als besonders schlagkräftig“. Schließlich erwarb der Kreis Herford das 6.300 Quadratmeter große Areal an der Meier-, Ecke Königsberger Straße zu einem Quadratmeterpreis von 15 DM und errichtete darauf die Feuerwehrzentrale mit Werkstätten, Schulungsräumen und Fahrzeughalle sowie einem Wohnhaus mit vier Werkswohnungen für die Angestellten. Die Kosten dafür beliefen sich schon damals auf 1,5 Millionen DM.
Im Jahr 1968 startete die Kreisfeuerwehrzentrale unter Leitung von Herbert Nentwig. Der heute 84-Jährige erinnerte sich während der Feierstunde am Samstag an die Mannschaft der ersten Stunde. „Gerd Morche arbeitete als Mechaniker in der Funkwerkstatt und Adolf Ziemens und Günter Hanke kümmerten sich um die Schläuche.“ Nentwig selber war als Kraftfahrzeugmeister für die Wartung und Reparatur der Feuerwehrautos aus dem gesamten Kreisgebiet zuständig. „Zu den ersten Sonderfahrzeugen gehörte eine Drehleiter 23/12“, erzählte der Rentner. Die hatte der Kreis bereits 1966 angeschafft und bis zur Fertigstellung der Zentrale in Bünde stationiert. Den Mercedes-Rundhauber (Typ 1113) mit Staffelkabine und Metz-Leiterpark gibt es noch. Er gehört heute zum Fuhrpark des Feuerwehrmuseums Kirchlengern-Quernheim in Häver.

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1968 ging die Kreisfeuerwehrzentrale in Hiddenhausen-Eilshausen in Betrieb.

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Herbert Nentwig (84) war ihr erster Leiter.

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Die erste Drehleiter der Zentrale, ein Rundhauber-Mercedes mit Staffelkabine, gibt es noch.
Sie ist heute im Feuerwehrmuseum Kirchlengern-Quernheim in Häver zu besichtigen.

Leistungsbilanz kann sich sehen lassen

Die Leistungen der Kreisfeuerwehrzentrale, die heute sechs Mitarbeiter beschäftigt, sind beachtlich. In der Atemschutzwerkstatt werden jährlich etwa 1.200 Atemschutzgeräte und 30 Chemikalienschutzanzüge gewartet und überprüft. Die Funkwerkstatt repariert und programmiert die rund 1.000 Digitalfunkgeräte und 2.000 digitalen Melder der gesamten nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr im Kreisgebiet, zu der Feuerwehr, Rettungsdienst und übrige Hilfsorganisationen zählen. Die Leistungen der Schlauchwerkstatt bestehen aus der Überprüfung und Instandsetzung des Schlauchmaterials. Alleine 3.500 B-Schläuche gibt es im Kreis Herford. Sie ergeben zusammengekuppelt eine Strecke von 70 Kilometern. Die Schlauchwerkstatt überprüft weiterhin Feuerwehrgeräte, wie Sprungretter, Hebekissen und Leitern. Weiterhin verfügt die Kreisfeuerwehrzentrale über Pumpen- und Bremsenprüfstand. Eine Kraftfahrzeugwerkstatt gibt es allerdings nicht mehr. Im Jahr 2002 fasste der Kreis Herford den Entschluss, diesen Bereich aus Kostengründen zu schließen. Herbert Nentwig betraf das nicht mehr. „Ich befand mich da schon im Ruhestand!“
Im Verlaufe der letzten Jahre hat an der Feuerwehrzentrale ein modernes Wechsellader-System Einzug gehalten. Mittlerweile stehen drei Trägerfahrzeuge für den Notfall bereit, die zum Transport der sechs Abrollbehälter dienen. Darin sind die Geräte für die unterschiedlichsten Einsatzlagen verstaut. Die Container werden durch einen hydraulisch bewegten Haken auf den LKW gezogen bzw. an der Einsatzstelle vom Fahrgestell herunter geschoben. Das dritte Trägerfahrzeug, ein 26-Tonner mit Kran, sowie die Abrollbehälter „Rüst“ und „Wasser“ waren erst im April vergangenen Jahres gemeinsam mit einem neuen Kommandowagen und einem modernen Rettungsboot in Dienst gestellt worden. 14.000 Liter Schaummittel, 1.000 gefüllte und 10.000 nicht gefüllte Sandsäcke werden zudem im Lager für den Notfall vorgehalten.

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Frank Schröder an seinem Arbeitsplatz in der Funkwerkstatt (Foto: Archiv: Redaktion: kfv-herford.de)

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Christoph Aspelmeier ist für die Wartung und Überprüfung der Atemschutzgeräte zuständig.

Kreisfeuerwehrzentrale und Kreisleitstelle

Die Kreisfeuerwehrzentrale war bereits 1968 mit einem Funktisch ausgerüstet worden. Der diente allerdings damals lediglich zur Kommunikation mit der Einsatzstelle. Es dauerte bis Mitte der 1970er Jahre, bis aufgrund gesetzlicher Änderungen die Notrufe aus den Ortsnetzen Enger, Spenge und Vlotho in Hiddenhausen-Eilshausen aufgeschaltet wurden. Am 1. Februar 1984 nahm schließlich die Kreisleitstelle Herford in den Räumen der Kreisfeuerwehrzentrale ihren Betrieb auf. Seit 1997 läuft die „112“ aus dem Ortsnetz Löhne ebenfalls in Hiddenhausen auf, und seit Januar 2003 werden sämtliche Notrufe aus dem Kreis Herford, zuletzt waren es über 40.000, von den Disponenten der Kreisleitstelle abgewickelt. Das hatten die Städte und Gemeinden im März 2001 so vereinbart.

Segensreiche Entscheidung

„Die Einschätzung in der Beschlussfassung des Kreistags von 1965, die Eilshauser Wehr sei schlagkräftig und unterstütze das Geschehen an der Kreisfeuerwehrzentrale, hat bis heute Bestand“, meinte der Landrat während der Feierstunde. Eine Rufbereitschaft, zu der 16 Aktive des Löschzugs zählen, ist das ganze Jahr über außerhalb der normalen Arbeitszeit erreichbar. Sie sorgt dafür, dass Schläuche und Atemschutzgeräte herausgegeben werden und besetzt im Notfall die Sonderfahrzeuge. Da die Technik sehr komplex ist, bedeutet das noch einmal einen erheblichen Ausbildungsbedarf für die Kräfte der Schnelleinsatzgruppe (SEG). „Man kann zusammenfassend sagten“, so Müller, „dass die damalig Entscheidung des Kreistags für den Standort in Hiddenhausen-Eilshausen segensreich war!“ Kreisbrandmeister Hackländer sah das am Samstag ganz genauso. Auf diese Weise könnten die Personalkosten für die Feuerwehrzentrale zudem verhältnismäßig gering gehalten werden. Er lobte die guten Ausrückzeiten der SEG von lediglich drei bis vier Minuten. „Dadurch können die Wehren vor Ort bereits in der Anfangsphase unterstützt werden!“

Zentrale Ausbildungsstätte

Die Kreisfeuerwehrzentrale ist zudem die zentrale Ausbildungsstätte der Freiwilligen Feuerwehren im Wittekindsland. Im vergangenen Jahr fanden hier 44 Lehrgänge und Seminare statt, an denen über 600 Feuerwehrleute teilnahmen. Außerdem absolvierten 596 Atemschutzgeräteträger das Belastungstraining in der Mobilen-Atemschutzübungsstrecke. „Mein besonderer Dank gilt den Feuerwehrkameradinnen und –kameraden, die die immer neuen Herausforderungen im Einsatzgeschehen meistern!“, sagte der Landrat.

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Die Kreisfeuerwehrzentrale mit dem Fahrzeughallenkomplex (im Vordergrund) und der Kreisleitstelle (dahinter) im Jubiläumsjahr 2018. (Drohnen-Foto: Feuerwehr Lübbecke)

Blick in die Zukunft

Am 16. Mai 2011 hatte die bisher größte Baumaßnahme auf dem Areal an der Meier-, Ecke Königsberger Straße begonnen. Der Landrat sprach am Samstag von einem Meilenstein, der in anderthalbjähriger Bauzeit mit dem Abriss des Wohnhauses, dem Neubau der Leitstelle und der modernen Fahrzeughalle umgesetzt worden sei. Etwa 6,4 Millionen Euro waren dafür investiert worden. An dieser Stelle müsse man auch in die Zukunft schauen, sagte Müller. „Wieder ist der Kreistag gefordert; denn eine Modernisierung verschiedener Bereiche der Feuerwehrzentrale ist notwendig.“ Vorgesehen sind eine neue Atemschutzübungsstrecke samt Übungswohnung, die Modernisierung der Schlauchwerkstatt, zusätzliche Bereitschaftsräume für das Leitstellenpersonal, neue Büroräume und Garagen. Geplant ist, die Brandschutzdienststelle nach Hiddenhausen zu verlagern und in diesem Bereich Personal aufzustocken. Das Bauprojekt soll spätestens 2021 abgeschlossen sein. Die notwendigen finanziellen Mittel von fünf Millionen Euro seien bereits in den Haushalt eingestellt und die Planungen soweit fortgeschritten, dass die Baugenehmigung beantragt werden könne. Müller hielt die Maßnahme für notwendig, um eine moderne, leistungsfähige und nachhaltige Feuerwehrzentrale zu erhalten. „Angesichts der technischen Entwicklung wird das sicherlich nicht die letzte Investition an dieser Stelle sein!“

Von Jens Vogelsang
(Text u. Fotos)

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Landrat Jürgen Müller erinnert an die Geschichte der Kreisfeuerwehrzentrale und blickt in deren Zukunft.

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Ulrich Rolfsmeyer, Bürgermeister der Gemeinde Hiddenhausen, zeigt sich überzeugt,
dass die Feuerwehrzentrale in der Nachbarschaft eine hohe Akzeptanz genieße.

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Ein „Feuerwehrmann“ im Stil der 1960er Jahre zeigt, welche Entwicklung die Schutzkleidung bis heute genommen hat.

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(v.l.) Stephen Paul (MdL), Stefan Schwartze (MdB) und Christian Dahm (MdL) gehören zu den Ehrengästen der Feierstunde.

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(v.l.) Bezirksbrandmeister Elmar Keuter, Michael Schäfer (KBM Minden-Lübbecke) und Thomas Podschadly (stellv. KBM Minden-Lübbecke)

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Reinhard Lammering (78) aus Spenge bringt mit seinen Anekdoten „op Platt“ die Versammlung zum Schmunzeln.
Kreisordnungsamtsleiterin Silke Vahrson-Hildebrand assistiert ihm am Telefon: „Sprechen Sie doch hochdeutsch guter Mann!“

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Die Sonderfahrzeuge der Feuerwehrzentrale in den 1990er Jahren.

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DLK 23/12 (Bj. 1981 / Metz-Leiter / Fahrgestell: Daimler-Benz Typ 1419):
War bis zum 1. Juli 2000 an der Kreisfeuerwehrzentrale stationiert, danach für die Feuerwehr Hiddenhausen
im Einsatz und ist heute Einsatzfahrzeug der Feuerwehr Loitz
(Mecklenburg-Vorpommern). (Foto: Archiv: Redaktion: kfv-herford.de)

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TLF 24/50 (Bj. 1983 / Ziegler-Aufbau / Fahrgestell: Daimler-Benz Typ 1622): War bis zum
1. Juli 2000 an der Kreisfeuerwehrzentrale stationiert und danach bis 2015für die
Feuerwehr Hiddenhausen im Einsatz. (Foto: Archiv: Redaktion: kfv-herford.de)

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RW 2 (Bj. 1985 / Ziegler-Aufbau / Fahrgestell: Daimler-Benz Typ 1222): War bis 2016 an der Kreisfeuerwehrzentrale
stationiert und ist heute im Besitz eines Dortmunder Abschleppunternehmers.
(Foto: Archiv: Redaktion: kfv-herford.de)